RemoteTX – ein interessanter Nachtrag direkt vom Entwickler
Vor kurzem habe ich hier über meine bisherigen Erfahrungen mit RemoteTX am Yaesu FT-991A berichtet.
Den Beitrag habe ich auch Marcus, AK7MG, dem Entwickler von RemoteTX, geschickt. Er hat mir daraufhin freundlicherweise einige interessante Hintergrundinformationen und einen kleinen Ausblick auf die weitere Entwicklung gegeben.
Und dabei wurde auch gleich eine Frage aus meinem ursprünglichen Bericht geklärt.
Warum gibt es beim FT-991A keinen Wasserfall?
In meinem Test hatte ich als einen der wenigen Kritikpunkte erwähnt, dass RemoteTX beim FT-991A – anders als bei einigen Icom-Geräten – keine Scope- bzw. Wasserfalldarstellung bietet.
Der Grund dafür liegt allerdings nicht bei RemoteTX.
Wie mir Marcus erklärte, stellt die Programmierschnittstelle des Yaesu FT-991A die dafür erforderlichen Daten über USB schlicht nicht zur Verfügung. Bei den unterstützten Icom-Geräten werden diese Informationen hingegen über die USB-Verbindung übertragen.
Eine native Integration des FT-991A-Wasserfalls in RemoteTX ist daher leider auch zukünftig nicht möglich.
Wenn die Daten nicht kommen – filmen wir sie eben 😉
Dafür gibt es eine durchaus pragmatische Alternative.
Die aktuelle RemoteTX-Software für den Raspberry Pi unterstützt zusätzlich eine USB-Videokamera bzw. Videoquelle. Damit lässt sich beispielsweise das Display des FT-991A filmen und das Videobild in einer eigenen RemoteTX-Ansicht darstellen.
Marcus empfiehlt dafür eine Kamera mit Autofokus und automatischer Belichtungsanpassung – eine bestimmte Spezialkamera ist also nicht erforderlich.
Für bestehende Installationen ist das besonders interessant: Laut Marcus genügt es grundsätzlich, ein aktuelles RemoteTX-SD-Card-Image zu verwenden und die vorhandene remotetx.conf auf die neue Installation zu übernehmen.

Natürlich ist eine Kamera auf das Funkgerätedisplay nicht dasselbe wie ein direkt über die CAT-/USB-Schnittstelle übertragener Wasserfall. Für den Remote-Betrieb ist es aber eine durchaus clevere Lösung – vor allem, weil damit genau jene Information sichtbar wird, die Yaesu über seine Schnittstelle nicht bereitstellt.
RemoteTX wird weiterentwickelt
Besonders interessant fand ich den Ausblick von Marcus.
Die Oberfläche für den Yaesu FT-710 wurde erst vor wenigen Tagen veröffentlicht. Derzeit arbeitet er bereits an RemoteTX-Oberflächen für den FT-891 und FTDX10. Diese sollen sich am moderneren Bedienkonzept des FT-710 orientieren und ebenfalls eine integrierte Videokamera unterstützen.
Und für mich als FT-991A-Besitzer besonders erfreulich:
Auch die bestehende FT-991A-Oberfläche soll anschließend noch einmal überarbeitet werden.
Geplant ist eine modernere Oberfläche nach dem Vorbild der neueren RemoteTX-Interfaces – einschließlich eines optional integrierten Videobereichs.

Damit würde übrigens auch meine etwas freche Bemerkung aus dem ersten Testbericht über den „optischen Charme eines IT-Programms aus den 70er-Jahren“ irgendwann ihre Gültigkeit verlieren. 😉
Und vielleicht geht irgendwann noch mehr …
Marcus erwähnte noch eine weitere interessante Idee.
Für Funkgeräte wie den FT-991A, die selbst keine Scope-Daten über ihre Schnittstelle liefern, könnte möglicherweise eines Tages ein externer SDRplay-Panadapter in den Videobereich eingebunden werden.
Das wäre allerdings technisch erheblich aufwendiger, weil dafür zusätzliche Hardware und eine entsprechende Antennenumschaltung erforderlich wären. Marcus steht dazu bereits mit den Entwicklern von SDRplay in Großbritannien in Kontakt; von dort wurde offenbar auch Unterstützung auf Software-/Programmierseite signalisiert. Noch ist das allerdings ausdrücklich eine Zukunftsidee und keine angekündigte Funktion.
Mein Fazit zum Nachtrag
Die Rückmeldung von Marcus hat mich aus zwei Gründen gefreut.
Zum einen weiß ich jetzt, warum der Wasserfall des FT-991A in RemoteTX fehlt – und dass die Ursache nicht bei der Software, sondern in den Möglichkeiten der Yaesu-Schnittstelle liegt.
Zum anderen zeigt die Antwort sehr schön, dass RemoteTX kein abgeschlossenes Produkt ist, sondern aktiv weiterentwickelt wird. Besonders die geplante Überarbeitung der FT-991A-Oberfläche werde ich natürlich mit Interesse verfolgen.
Und vielleicht montiere ich vorher tatsächlich einmal eine kleine USB-Kamera vor meinen FT-991A und probiere die Video-Lösung selbst aus.
Dann gibt es hier vermutlich wieder etwas zu berichten. 😉
73, Sepp – OE3SHB